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Abendmahl mit Kindern

Was für ein schönes Gefühl ist es, wenn man spürt: Ich gehöre dazu! Ich bin Teil der Gemeinschaft und willkommen! Ein Fest, zu dem man eingeladen wird! Wenn der Gastgeber oder die Gastgeberin beschlossen hat, dass man dabei sein darf, fühlen sich Menschen geehrt und freuen sich. Auf ein Fest bereitet man sich dann natürlich vor, sucht was Schönes zum Anziehen, besorgt vielleicht ein Geschenk. 
Für viele Menschen ist das Abendmahl so eine besondere Einladung von Jesus. In früheren Zeiten wurde sich darauf noch viel ausführlicher vorbereitet als heute. Das Gefühl von Ehre und Freude beim Gang zum Altar ist in der heutigen Zeit aber manchen abhanden gekommen. Gerade jüngere Menschen empfinden die Feier des Abendmahls als steif und können nicht viel anfangen mit den Worten und der Runde am Altar. 
Nun hat die Landessynode bereits im Herbst 2022 Neuerungen beim Thema Abendmahl beschlossen, die alle Gemeinden in Bayern betreffen: von nun an gilt die „uneingeschränkte Zulassung von Kindern zum Abendmahl“ in unserer Kirche. Die Landessynode sieht keine Gründe (weder biblisch, theologisch noch historisch), mit denen man den Ausschluss von Kindern rechtfertigen könnte. Im Kirchenvorstand haben wir ausführlich darüber diskutiert und wollen mit diesem Beitrag dafür werben, den Beschluss unserer Landessynode endlich in vollem Umfang umzusetzen. Deshalb haben wir einige Argumente zusammengetragen (angelehnt an die Handreichung: Abendmahl mit Kindern. Eine Orientierung -> QR-Code!), die immer wieder bei diesem Thema angesprochen werden: 
Abendmahl mit Kindern – eine Orientierung zu wichtigen Fragen https://www.kirche-mit-kindern.de/fileadmin/user_upload/public/Themen/A…

a) Verstehen Kinder überhaupt, was im Abendmahl geschieht?
Viele zweifeln, ob Kinder verstehen, was im Abendmahl passiert. Dabei fällt es doch auch Erwachsenen schwer, mit dem Verstand zu begreifen oder zu erklären, was das Geheimnis des Abendmahls bedeutet! Es stellt sich die Frage: kann das Abendmahl überhaupt mit dem Verstand erfasst werden? Weil auch Demenzkranke und Menschen mit geistiger Behinderung selbstverständlich zum Abendmahl eingeladen sind, wird deutlich, dass das Sakrament des Abendmahls uns als ganze Menschen anspricht und viel weiter und tiefer reicht als unser Verstand. Es heißt: „schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“! Was Gott uns in seinen Gaben schenkt, „begreifen“ wir mit dem Herzen und Sinnen. Weil in der kindlichen Entwicklung Erleben und Verstehen sehr eng verbunden sind, hilft also sogar die Feier des Abendmahls den Kindern, Glauben zu verstehen – und nicht andersrum!  
b) Wird nicht die Konfirmation entwertet, wenn schon Kinder zum Abendmahl gehen dürfen?
Die Konfirmation als Zulassung zum Abendmahl war lange Tradition in unserer Kirche. Doch sie ist zuallererst auf das Sakrament der Taufe bezogen als eigenes Ja zum Glauben. Sie schenkt jungen Menschen Segen in einer Zeit des Übergangs und bestätigt ihre Rechte als Gemeindeglied. Wenn wir uns wünschen, dass junge Menschen das Abendmahl lieb gewinnen, dann erscheint das Konfirmationsalter (Pubertät!) dafür als zu spät, denn das erste Abendmahl bei der Konfirmation ist oft für viele Jahre (oder überhaupt) das letzte. Wenn Kinder dagegen früher mit dem Abendmahl vertraut werden, bauen sie Unsicherheiten ab und gehen auch später selbstverständlich(er) zum Abendmahl. 
c) Brauchen Kinder eine Einführung, damit sie am Abendmahl teilnehmen können?
So wie sich das Gebet nicht durch Erklärung über das Beten erschließt, sondern im Beten selbst, so werden Kinder mit dem Abendmahl vertraut, indem sie sich als Teil der Abendmahlsgemeinde erfahren. Sie haben besonders feine Antennen dafür, die feierliche Atmosphäre einer Abendmahlsfeier zu spüren und erleben so das Geheimnis des Sakraments, das Begreifen und Verstehen übersteigt. Sowohl Kindergottesdienste als auch Konfi-Stunden werden sich natürlich (weiterhin) mit dem Thema Abendmahl beschäftigen und seine Bedeutung vertiefen.
Am Ende geht es nicht nur um das Abendmahl mit Kindern. Es geht vielmehr darum, wie wir kleinen und großen Menschen einen einfachen Zugang zur Liebe Gottes eröffnen – auch in der Feier des Abendmahls. Wie kann die Freundlichkeit Gottes im Schmecken und Sehen am Tisch des Herrn erfahrbar werden, gerade für Menschen, die wenig „Abendmahlserfahrung“ mitbringen? Wie lässt sich Abendmahl so feiern, dass Menschen aller Generationen das Abendmahl lieb  gewinnen und es als Kraftquelle entdecken und erfahren? Was Kindern hilft und Zugang eröffnet, kann auch Menschen, die mit unseren Formen „fremdeln“, die Tür öffnen. Die Frage nach dem Abendmahl mit Kindern ist daher keine „Kinderfrage“. Sie ist eine Frage nach unserem Abendmahlsverständnis und unserer Abendmahlspraxis im Ganzen, damit alle erfahren: Jesus lädt uns ein – auch du gehörst dazu!