Aktuelles

Liebe Gemeinde,
ein riesiges Auge schaut uns als Leser*in des Gemeindebriefes an. Die Jahreslosung für das kommende Jahr 2023 – „Du bist ein Gott, der mich sieht“ – haben wir zum Titelthema dieser Ausgabe gemacht. In der An-dacht können Sie mehr dazu lesen.
Schon seit der letzten Ausgabe ist der Gemeindebrief im Detail anders aufgebaut. Es gibt jetzt die beiden Kategorien Rückblick und Ausblick. Dadurch soll das Lesen und das sich Zurechtfinden einfacher gemacht werden.    
Im ersten Teil blicken wir auf das zurück, was in den vergangenen Monaten in den Kirchengemeinden los war und im zweiten großen Teil finden sich dann die Plakate und Ankündigungen für die bevorste-hende Zeit.
Zwei interessante Comebacks nach Corona feiern der Adventsmarkt in Weidelbach und das Krippenspiel für den Heilig Abend.
Außerdem sei neben dem Vielen, was sich in und um unsere Gemein-den tut noch auf etwas Besonderes an Weihnachten hingewiesen. Wir probieren mal wieder was Neues aus und sind gespannt wie Sie es finden :-)
Am zweiten Weihnachtsfeiertag finden am Vormittag keine Gottes-dienste in unseren Gemeinden statt, dafür laden wir ganz herzlich am 26.12. zu einem musikalischen Abendgottesdienst mit dem Singkreis ein.    
Weihnachtlichen Liedern des Sing-kreis lauschen, selber Weihnachts-lieder singen und dazwischen kurze Texte hören – so wollen wir die Weihnachtstage mit diesem Abend-gottesdienst abrunden. Wir freuen uns schon d‘rauf und hoffen, dass der 2. Weihnachtsfeiertag in dieser be-sonderen Form viele, vielleicht sogar neue, Liebhaber findet.
Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen gesunden Start ins Jahr 2023 wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Johannes Sichert
Thema: Übersehen?!
Wann sind Sie das letzte Mal über-sehen worden? Vielleicht beim Metzger in der Schlange? Kann ja mal passieren.
Übersehen zu werden, das wider-fährt nicht nur kleinen Kindern – und beim Metzger ist es ja auch nicht schlimm. Schlimm ist es dann, wenn Menschen öfter im Leben diese Erfahrung machen, v.a. im Sinne davon, dass man ihre Arbeit nicht wahrnimmt oder ihre Bedürf-nisse nicht erfüllt werden. Wenn Menschen übersehen werden in dem, wie sie als Mensch sind und was sie leisten.
Viele Berufe kämpfen darum, dass ihre Arbeit gesehen und wertge-schätzt wird: Rettungskräfte und Altenpflegerinnen, Erzieherinnen und Landwirte. Solche Menschen und ihre Tätigkeit darf unsere Ge-sellschaft nicht „übersehen“! Wer eine wichtige Arbeit macht, hat das Recht, dafür gelobt zu werden, beruf-lich genauso wie privat. Es ist auch zuhause nicht selbstverständlich, dass der Kühlschrank voll ist, das Essen auf dem Tisch, die kaputte Waschmaschine repariert und das Auto getankt! Wer solche Arbeiten als normal ansieht und den Einsatz des Anderen übersieht, der läuft Gefahr, dass solch „selbstverständli-che“ Arbeit eines Tages nicht mehr (gut oder gerne) gemacht wird!
Wer dagegen merkt, dass seine Leis-tung gesehen wird, fühlt sich wert-geschätzt. Ein einfaches „Danke“ ist ein guter Anfang, doch leider fällt uns manchmal gar nicht auf, welche wertvolle Arbeit der/die Andere tut! Wir übersehen es einfach, ohne böse Absicht.
Genauso ohne böse Absicht werden in unserer Gesellschaft leider oft die übersehen, die nicht mit Ellenbogen um ihr Recht kämpfen können, nämlich die Schwachen: Rollstuhl-fahrer und Blinde, Menschen mit Down-Syndrom oder Depressionen, Senioren mit Demenz oder Kinder, über deren Kopf hinweg entschieden wird. Wer sich selbst nicht (mehr) helfen kann, braucht Menschen, die die Not sehen, statt zu übersehen.
Die Geschichte, aus der die Jahreslo-sung für 2023 stammt, handelt von einer schwangeren Frau, die aus Angst vor Gewalt davonläuft. Ein Engel hält sie auf und verkündet ihr, wie sie ihren ungeborenen Sohn nennen soll und welch große Ver-heißung Gottes ihm gilt.    
Daraufhin stellt die Frau fest: Du bist ein Gott, der mich sieht (1. Mose 16,13). Sie fühlt sich von Gott gese-hen mit ihrer Not und Verzweiflung, aber auch mit ihrer Sehnsucht und ihren Träumen.    
Da ist jemand, der sie wahrnimmt, sie ist nicht alleine. Gestärkt mit dem Zuspruch des Engels kann die Frau zurück in ihr altes Leben. Auch wenn sie dort vielleicht wieder über-sehen wird, Gott sieht sie. Dieses Wissen gibt ihr Kraft.
Du bist ein Gott, der mich sieht, so beschreibt die Jahreslosung 2023 unseren Gott. Das ist eine Feststel-lung. Gott übersieht uns nicht. Er übersieht nicht die Not, in der wir uns befinden, genauso wenig wie die Arbeit, die wir leisten. Du bist ein Gott, der mich sieht, das ist eine Verheißung für das neue Jahr, die Mut macht und tröstet. Gott weiß, was uns wirklich bewegt angesichts des neuen Jahres, welche Sorgen drücken und welche Träume wir uns gar nicht auszusprechen trauen.
Gott sieht eben nicht nur die Welt im Allgemeinen, sondern er sieht mich. Den einzelnen Menschen. Damit weiß ich, dass er auch dich sieht. Die Menschen in meiner Nä-he, bei denen ich wohl die Not sehe, aber nicht weiß, wie ich helfen oder was ich sagen soll. Die Menschen in der Ferne, deren Not für uns un-sichtbar bleibt, weil die Medien sie nicht zeigen. Gott sieht. Du bist ein Gott, der mich sieht. So ist unser Gott. Aufmerksam sehend, was mit seinen Geschöpfen los ist.
 
Wenn ich weiß, dass Gott mich mit seinen gnädigen Augen ansieht, könnte auch ich meine Mitmen-schen mit anderen, mit seinen Au-gen wahrnehmen. Das würde unse-rer Gesellschaft helfen, dass niemand mehr übersehen wird!
In diesem Sinne: ein gesegnetes Jahr 2023!
Pfarrerin Birgit Sichert